Es gibt Momente,
in denen ich mich festgefahren fühle.
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Eher so,
als würde etwas in mir
leise
auf der Stelle treten.
Mein erster Reflex
war schon immer derselbe:
nach innen gehen.
Nicht,
weil dort immer Antworten liegen.
Sondern weil ich irgendwann
begriffen habe,
dass das Außen
mich selten rettet.
Wir wachsen in Erwartungen auf.
Was wir werden sollen.
Wie unser Leben auszusehen hat.
Wen wir lieben sollten.
Wann etwas „richtig“ ist.
Und je besser wir darin werden,
diese Erwartungen zu erfüllen,
desto leerer
fühlt es sich manchmal an.
Selbsthass beginnt selten
mit offenen Angriffen.
Er tarnt sich
als Anspruch.
Als Optimierung.
Als der stille Gedanke,
nicht genug zu sein,
solange man nicht
mehr leistet,
mehr darstellt,
mehr erreicht.
In einer Welt,
in der alles bewertet wird,
ist Selbstverachtung
kein persönliches Versagen.
Sie ist
ein Nebenprodukt.
Viele der Maßstäbe,
an denen wir uns messen,
waren nie unsere.
Wir haben sie übernommen,
lange bevor wir überhaupt wussten,
dass man sie infrage stellen darf.
Und trotzdem leben wir so,
als wären sie Gesetz.
Wenn ich ehrlich bin,
war mein größter Gegner
nie ein anderer Mensch.
Es war die Stimme in mir,
die glaubte,
erst etwas wert zu sein,
wenn sie sich bewiesen hat.
Diese Stimme
verschwindet nicht einfach.
Man kann sie
nicht weglieben.
Man kann sie
auch nicht wegarbeiten.
Was hilft,
ist etwas Unbequemeres:
ihr
nicht mehr blind
zu glauben.
Selbsthass verliert an Macht,
wenn man aufhört,
sich mit ihm
zu identifizieren.
Wenn man ihn bemerkt,
ohne ihm zu folgen.
Wenn man aufhört,
sich selbst
ständig zu erklären,
zu rechtfertigen,
zu verbessern.
Nicht alles,
was sich in deinem Kopf
wie Wahrheit anfühlt,
ist eine.
Manches ist
Gewohnheit.
Manches ist
erlernt.
Manches ist
Angst
in gutem Kostüm.
Vielleicht geht es nicht darum,
dich zu lieben.
Vielleicht reicht es fürs Erste,
aufzuhören,
dich
zu bekämpfen.



