Die Frage kam beiläufig.
Ob es nicht auch schön sei,
gebraucht zu werden.
Ich habe genickt.
Und gezögert.
Nicht, weil ich widersprechen wollte.
Sondern weil die Frage
mehr berührt, als sie zunächst sagt.
Die Idee ist nicht falsch.
Aber sie ist gefährlich,
wenn man sie vereinfacht.
Gebraucht zu werden kann Zugehörigkeit stiften.
Es gibt Struktur,
besonders in instabilen Phasen.
In Arbeit, Teams und Beziehungen
korreliert es oft mit Sinn und Motivation.
Das ist real.
Vielleicht ist es auch eine Frage der Generation.
Für viele war Gebrauchtwerden selbstverständlich:
Arbeit. Familie. Verantwortung.
Sinn entstand aus Notwendigkeit.
Man hatte einen Platz,
weil man funktionierte.
Diese Logik hat getragen.
Und sie erklärt,
warum die Frage so ruhig,
so ehrlich gestellt werden kann.
Wo für die eine Generation
Bedeutung beginnt,
kippt sie für die nächste
leicht in Abhängigkeit.
Denn genau hier
liegt der blinde Fleck.
Was als Bedeutung beginnt,
kippt leise in Abhängigkeit.
Menschen optimieren nicht mehr für Wirksamkeit,
sondern dafür, unverzichtbar zu sein.
Sie bleiben in Rollen,
in denen sie
nützlich, aber nicht respektiert sind.
Beschäftigt, aber nicht wachsend.
Gebraucht, aber nicht frei.
Das Problem ist nicht,
gebraucht zu werden.
Das Problem ist,
es zu brauchen, gebraucht zu werden.
Der Wunsch, gebraucht zu werden,
ist oft kein Wert an sich.
Er ist eine Kompensationsstrategie.
Gegen Austauschbarkeit.
Gegen Bedeutungslosigkeit.
Gegen die Angst, überflüssig zu sein.
Eine gesündere Perspektive wäre:
Nicht notwendig sein,
sondern wertvoll.
Nicht gebraucht werden,
sondern gewollt.
Nicht unersetzlich wirken wollen,
sondern Systeme bauen,
die auch ohne einen funktionieren.
Und erst dann entscheiden,
wo man wirklich
Verantwortung übernehmen will.
Denn Sinn entsteht nicht daraus,
dass man gebraucht wird.
Sinn entsteht dort,
wo man Verantwortung übernimmt,
obwohl man gehen könnte.
Diese Unterscheidung trennt
Erwachsene von Märtyrern.
Führung von Engpässen.
Zweck von der leisen Angst,
irrelevant zu werden.
Vielleicht ist das der Punkt,
an dem das anfängliche Ja
sein Nein braucht.
Nicht, um Gebrauchtwerden abzuwerten.
Sondern um es
nicht zur Bedingung
für das eigene Dasein zu machen.



