Mir ist irgendwann aufgefallen,
dass mir bestimmte Gedanken
auf Englisch leichter fallen
als auf Deutsch.
Nicht, weil Englisch überlegen wäre.
Sondern weil es mir
einen anderen inneren Raum öffnet.
Sprache ist mehr
als Verständigung.
Sie strukturiert Denken,
Emotion
und Selbstbild.
Sie legt fest,
wie direkt wir sein dürfen,
wie viel Ambivalenz erlaubt ist
und welche Themen sich
schwer oder leicht anfühlen.
Erst durch eine zweite Sprache
habe ich gemerkt,
wie stark meine Wahrnehmung
kulturell geprägt ist.
Nicht im Sinne von
richtig oder falsch.
Sondern von
eng oder weit.
Reisen und Leben
in anderen sprachlichen Kontexten
haben mir gezeigt:
Viele Menschen sind
nicht glücklicher als wir.
Aber oft weniger angespannt.
Weniger kontrolliert.
Weniger innerlich verkrampft.
Sprache spielt dabei
eine größere Rolle,
als wir zugeben wollen.
Welche Worte verfügbar sind,
entscheidet darüber,
welche Gedanken
überhaupt entstehen dürfen.
Ich habe Englisch
nie wirklich im Klassenzimmer gelernt.
Sondern durch Erfahrung:
Gespräche.
Missverständnisse.
Nähe.
Situationen.
Wörter bleiben nicht,
weil sie korrekt sind.
Sondern weil sie
erlebt wurden.
Mit der Zeit
begann sich beides zu vermischen.
Deutsch
für Tiefe, Schwere, Präzision.
Englisch
für Leichtigkeit, Bewegung, Abstand.
Denglisch ist für mich
kein Stilmittel.
Es ist ein Nebenprodukt davon,
dass Denken
nicht an eine Sprache
gebunden ist.
Eine zweite Sprache
erweitert nicht automatisch
den Horizont.
Aber sie schafft Reibung.
Und genau diese Reibung
macht sichtbar,
was zuvor selbstverständlich war.
Die Grenzen meiner Sprache
waren lange auch
die Grenzen meiner Welt.
Nicht, weil ich wollte.
Sondern weil ich
nichts anderes kannte.
Manchmal braucht es
eine andere Sprache,
um die eigene
überhaupt hören zu können.



